Liturgie - Der Zweite Blick
Advent oder Event?
Die Worte des Evangeliums zum zweiten Advent, das harsche Auftreten des Täufers sollen uns Aufrütteln aus dem Klingeling der Weihnachtsmärkte, aus einer Gottesgemütlichkeit, warnen vor einer „Verweihnachtlichung“ (Kristian Fechtner) des Advent. Die Zeit wird knapp, falsche Wege zu verlassen und Gott den Weg zu mir zu ebnen. Adventszeit ist Räumzeit.
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Bibelwort: Matthäus 3,1-12 (Evangelium vom 2. Adventssonntag)
AUSGELEGT!
Ihr Schlangenbrut!
Johannes wettert gegen die Scheinheiligkeit der Pharisäer und Schriftgelehrten. Er fordert Umkehr, droht mit Axt und Feuer. Und obwohl er eine große Fangemeinde hinter sich hat, weiß er auch um seine Grenzen. Er verweist auf Jesus, der größer ist. Auch der wettert gegen die Heuchelei der Pharisäer und Schriftgelehrten. „Weh euch!“ Allein 7-mal bei Matthäus im Kapitel 23. Was macht ihn also größer als Johannes? „Ich taufe nur mit Wasser, er aber wird euch mit Feuer und dem Heiligen Geist taufen.“ Vielleicht gibt der Umgang Jesu mit den Schriftgelehrten einen Hinweis darauf, was es heißt, im Heiligen Geist getauft zu sein. Sie wollen ihm permanent eine Falle stellen. Sie rechtfertigen nicht nur die lebensfeindlichen Machtstrukturen, sie wollen auch noch den kaltstellen, der sie verändern möchte. Sie wollen seinen Einsatz für das Reich Gottes als gottlos verunglimpfen. Jesus reagiert weder aus Ohnmacht noch aus Empörung heraus. Er diskutiert souverän, lässt sie auflaufen, macht ihre Widersprüche deutlich, untergräbt ihre religiöse und moralische Macht. Vielleicht ist es so, dass wir, die wir im Heiligen Geist getauft sind, auch geistreich mit den lebensfeindlichen Mächten streiten müssen.
Klaus Metzger-Beck
Quelle: Pfarrbriefservice.de
Foto: Michael Tillmann
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