Katholische Pfarrgemeinde  Dom zum Heiligen Kreuz

Nordhausen

Liturgie - Der Zweite Blick

 


Jesus hat nichts gegen Geschäfte. Die müssen sein – damals wie heute. Das Leben lebt auch vom Tausch, in welchen Formen das auch immer geschieht. Das Leben selbst ist aber kein Geschäft,  geschweige denn das Leben mit Gott. Da wird auch der liebevolle Gottessohn zornig. Der Tempel ist der Tempel und kein „Einkaufstempel“, wie viele Warenhäuser heute gerne genannt werden.

Bibelwort: Johannes 2,13-25 (zum Evangelium vom 3. Fastensonntag)

AUSGELEGT!

Wo begegnet uns Gott? Für Jesus und die Juden seiner Zeit war das klar: im Tempel von Jerusalem. Deshalb ist es schlimm, wenn dort gefeilscht, gestritten und beleidigt wird, wenn es mehr um Geschäfte als ums Gebet geht und von der Würde des hohen Hauses nicht viel übrig ist.

So muss es Jesus vorgekommen sein, und er handelt ohne Rücksicht auf Verluste. Darf der das?, fragten sich die Frommen. Und der Evangelist Johannes sagt: Ja, er darf. Denn mit Jesus gibt es einen ganz neuen Zugang zu Gott – ohne Tempel und Opfergaben. Bibelwissenschaftler wissen: Die Gemeinde des Johannes liegt mit der jüdischen Gemeinde im Streit. Deshalb verlegt der Evangelist die Tempelreinigung an den Anfang von Jesu Wirken. Der mächtige, ehrwürdige Tempel und das zerbrechliche Menschenwesen Jesus – die Zugänge zu Gott könnten unterschiedlicher nicht sein. Auch für uns heute: Der eine findet Gott in der Stille hinter Kirchenmauern, die andere in der Begegnung mit Menschen oder im Trubel des Alltags. Hier wie dort gilt: Gott will sich finden lassen.

Christina Brunner

Quelle: Bergmoser + Höller Verlag AG
Bild: El Greco, Christus treibt die Händler aus dem Tempel, 1570



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