Katholische Pfarrgemeinde  Dom zum Heiligen Kreuz

Nordhausen

Da staune ich aber...

 

Protest gegen die Opferung von Menschen

Foto: Michael Tillmann

Es ist eine der verstörenden Erzählungen des Alten Testaments: Gott fordert Abraham auf, ihm seinen einzigen Sohn Isaak, den Träger der göttlichen Verheißung, dass Abraham der Vater eines großen Volkes wird, zu opfern. Davon berichtet die Genesis im Kapitel 22. Über den Sinn dieser Erzählung wird bis heute gestritten. Die gängige Deutung geht vom ersten Vers der Geschichte aus: „Nach diesen Ereignissen stellte Gott Abraham auf die Probe.“ Ist Abraham Gott absolut gehorsam; selbst dann, wenn Gott ein solches Opfer fordert: Den geliebten Sohn und die Hoffnung, zu einem großen Volk zu werden? Erscheint Gott aber dann nicht grausam oder zumindest völlig unverständlich?

Letzten Endes kommt es nicht zur Opferung des Isaak. Im letzten Moment greift Gott durch einen Engel ein, und anstelle des Sohnes wird ein Widder geopfert. Durch diesen Ausgang der Geschichte wird sie zu einem Protest gegen Menschenopfer, die in der damaligen Zeit noch üblich waren. Gott selbst protestiert dagegen, dass ihm Menschen geopfert werden.

Eine moderne Auslegung geht noch einen Schritt weiter. Sie geht davon aus, dass Abraham in der Probe versagt hat, weil Gott keinen blinden, fanatischen Gehorsam – wie er in der Opferung eines Menschen zum Ausdruck käme – möchte und von Abraham erwartet hätte, dass er dem Ansinnen Gottes widerspricht. Ein interessanter Gedankengang, auch wenn er ein sehr modernes Denken in die Geschichte hineininterpretiert, doch wie gesagt: Über den Sinn von der Geschichte der Opferung Isaaks wird bis heute gestritten.

Quelle: Bergmoser + Höller Verlag AG
Foto:
Michael Tillmann

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