Katholische Pfarrgemeinde  Dom zum Heiligen Kreuz
Nordhausen

Seelsorge - Kreuz  &  Quer


Foto: Michael Tillmann +

„Jetzt lasst doch mal die Mutter in Ruhe!“ Maria und Josef gehen 40 Tage nach der Geburt nach Jerusalem in den Tempel, um eine religiöse Pflicht zu erfüllen: Reinigungsritus für die Mutter und der Erstgeborene wird Gott übergeben – schwierig, aber eben Vorschrift. Kann mir vorstellen, dass die kleine Familie das schnell erledigen wollte – der Alltag war hart genug. Doch dann läuft der religiöse Pflichttermin „aus dem Ruder“: Im Tempel sind mit Simeon und Hanna zwei alte Menschen, die auch für damalige Verhältnisse ein „spezielles“ Leben führen. Simeon erkennt in dem neugeborenen Kind den erwarteten Messias – bei allem Verständnis für die Begeisterung des alten Mannes ist sein weiteres Verhalten „übergriffig“. Er nimmt der Mutter das Kind aus den Armen (schwierig!) und preist Gott mit Worten, von denen der Evangelist Lukas höflich schreibt: Maria und Josef staunten. Doch damit nicht genug: Am Schluss sagt Simeon zu Maria: „Deine Seele wird ein Schwert durchdringen.“
„Jetzt lasst doch mal die Mutter in Ruhe!“ Auch wenn Simeons seherische Fähigkeiten von der Zukunft bestätigt werden: Die Zurückweisung Marias durch ihren erwachsenen Sohn bis zu der Katastrophe aller Katastrophen – den toten Sohn im Schoß zu tragen – das muss doch jetzt nicht sein. Oder? Die Übergriffigkeit des Simeon spiegelt für mich die Übergriffigkeit Gottes wider. Nicht nur Maria gegenüber, sondern in jedem Leben: Manchmal erwartet Gott Wege von mir, die ich eigentlich nicht gehen möchte.


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Quelle: Image-Online; Bergmoser + Höller Verlag AG
Foto: Michael Tillmann

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