Katholische Pfarrgemeinde  Dom zum Heiligen Kreuz

Nordhausen

Liturgie - Impuls

 

Foto: Michael Tillmann


Der Weg des Esels endet in den Straßen Jerusalems, doch der Weg dessen, den er trug, endet nicht am Palmsonntag, sondern führt ans Kreuz und darüber hinaus. Die Liturgie des Palmsonntags drückt das deutlich aus: Das Evangelium vom Einzug Jesu und die Passionsgeschichte werden gelesen. Der feierliche Einzug Jesu in sein Jerusalem lenkt zugleich unseren Blick auf sein Kreuz. Und damit wird deutlich: Alle Freude, aller Jubel ist nur vorläufig, wenn er nicht über das Kreuz führt. Die Feier der Karwoche weist uns darauf hin, dass es Ostern nicht ohne den Karfreitag gibt. Das ist zunächst eine traurige Einsicht: Denn es heißt ja, dass es wirkliche Freude und Vollendung im Leben nur geben kann, wenn man auch seine finsteren und bitteren Seiten erfahren hat. Im Umkehrschluss bedeutet es aber auch: Das Leiden und der Tod sind nicht das Letzte; nicht der Karfreitag und der Karsamstag bilden den Abschluss der Heiligen Woche, sondern der Ostersonntag.

Bibelwort: Matthäus 21,1-11 (zum Evangelium vom Palmsonntag)

AUSGELEGT!

Jerusalem ist auch heute eine Stadt, in der religiöse Feste wichtig sind, die aufwändig vorbereitet und stürmisch mit vielen Zeichen und Ritualen gefeiert werden. Eine Stadt, die anscheinend das Dramatische liebt, mit emotionalen Aufwallungen und Widersprüchen.

Das ist das Szenario, in dem ich heute dieses Evangelium lese, das mir immer einen Schauder über den Rücken ruft. Es kommt zwar im Text noch nicht ausdrücklich vor, aber wir hören dieses Evangelium am Palmsonntag, und wir wissen, dass die Wirklichkeit nur wenige Tage später eine ganz andere sein wird …

Auch Jesus hatte anscheinend einen Sinn für Zeichen und Rituale. Ausgerechnet auf einem kleinen Esel kommt er vom Ölberg daher, als er sich als König und als Sohn Davids besingen lässt. Es ist fast eine Karikatur, dass das ein Bild für einen König sein soll. Als Jesus dann in Jerusalem einzieht, „erbebte die ganze Stadt“, und die Menschen fragten, wer denn dieser Mensch sei. Die damalige Antwort war, dass es der Prophet Jesus aus Nazaret sei. „Messias“ war anscheinend noch völlig außer jeder Vorstellung. Jesus kann alles Bisherige durcheinanderbringen. Wir Menschen können immer nur nach und nach diesen Jesus Christus erkennen und ansprechen. Wie gut, dass uns auf unserem Glaubensweg die Zeit dazu gegeben wird, auch mit manchen Aufwallungen, Widersprüchen und „Erdbeben“. 

Christine Rod MC


Quelle: Bergmoser + Höller Verlag AG
Foto: Michael Tillmann

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