Katholische Pfarrgemeinde  Dom zum Heiligen Kreuz

Nordhausen

Aktuell - Wort des Pfarrers

Die Kirche ist keine Erfindung der Menschen. Jesus selbst hat seine Jüngerinnen und Jünger aufgefordert, ihren Glauben in Gemeinschaft zu leben: gemeinsam Abendmahl zu feiern, zu beten, einander auch materiell beizustehen, sich gegenseitig zu stützen, zu ermutigen, sich zu trösten und auch zu ermahnen. Und: In Gemeinschaft der Gläubigen die Gemeinschaft mit Gott zu feiern und zu leben. Deshalb entstanden auch sehr schnell nach Jesu Tod und Auferstehung erste christliche Gemeinden in Israel, die sich dann weiter und weiter ausbreiteten. Diese ersten Gemeinden hatten äußerlich wenig Ähnlichkeit mit den heutigen Kirchengemeinden, doch der Kerngedanke ist damals wie heute der gleiche: Gemeinsam zu glauben und zu leben. Deshalb „muss Kirche sein“ und der Satz, den ich immer wieder höre, Christ sein kann ich auch alleine, dafür brauche ich keine Kirche, ist nicht richtig. Christlicher Glaube ist Glaube in Gemeinschaft.

Ich kenne das selbst: Sich in einer Kirchengemeinde heimisch zu fühlen, kann schwer sein. Manchmal prallen die Interessen zum Beispiel zwischen Alt und Jung heftig aufeinander. Doch wo sonst gibt es einen Ort, wo das möglich ist: Eine Kirchengemeinde steht doch für alle Menschen offen, so unterschiedlich sie auch sind: Alt und Jung. Arm und Reich. Unterschiedlichste Berufe, politische Ausrichtungen und vieles mehr. Das macht ja eine Kirchengemeinde gerade so faszinierend – und manch-mal auch schwer, in ihr klarzukommen. Doch es lohnt sich. Lass dich drauf ein!

Liebe Gemeindeglieder, liebe Leserinnen und Leser dieser Seite,

Kirche, muss die sein?

Im oberen Bereich dieser Seite ist unter dieser Fragestellung ein guter Text verfasst, den ich Ihnen ans Herz lege. Wie würden Sie auf diese Frage antworten? Ich sage deutlich: Ja, aber. Das „Aber“ steht für alles, worauf ich gut verzichten könnte: auf die Vorherrschaft alter Männer im Vatikan ebenso wie die ausufernde Verwaltung in einer Kirchengemeinde; auf langweilige Firmpredigten oder auf den Satz „Das war schon immer so“. Muss Kirche sein? ist daher gar nicht meine Frage, sondern eher: „Wie muss Kirche sein?“

Auf der Klausurtagung des Kirchortrates Nordhausen sind wir dieser Fragestellung nachgegangen. Herausgekommen sind gute Gedanken für die Zukunft unserer Gemeinde, die ich an dieser Stelle in der gebotenen Kürze darstellen möchte.

Würdige Liturgie als Grundvollzug unseres Kircheseins
Unsere Kirchenräume, die Kirchenmusik und die Heilige Schrift bieten einen Schatz, den es täglich zu verschenken gilt. Liturgie dient der Anbetung Gottes und soll den Menschen von heute die Chance geben, ihrem Weg mit Gott nachzuspüren oder von Gott zu erfahren.

Weniger Selbstbezogenheit und Selbstgenügsamkeit
Wie offen sind wir für die Vielfalt der Menschen, die bei uns zu Gast sind? Sprechen wir „Fremde“ oder Zurückhaltende an oder bleiben wir lieber unter uns? Haben wir unsere Kranken und Einsamen im Blick?
Wieviel Achtsamkeit und Offenheit bringen wir Menschen entgegen, die mit ihrer Lebenssituation nicht unserem klassischen Familienbild entsprechen und durch unsere gemeindlichen Raster fallen?
Haben Alleinstehende, Geschiedene oder queere Menschen bei uns einen Platz?
Wo kommen Arme bei uns vor? Bekommen wir mit, dass es auch Armut vor unserer Haustür gibt?

Keine pathologische Fixierung auf Kirchen- und Gemeindebilder früherer Zeiten
Hängen wir zu viel an „früher“? Kann man mit Rezepten von gestern heute die Zukunft gestalten? Wieviel „Das war schon immer so“ steckt in unserer Gemeinde?
Muss Kirche sein? Ja, aber. Kirche muss neu ihren Platz in unserer säkularen Welt finden. Es ist unsere Aufgabe als Gemeinde, das Evangelium dorthin zu tragen, wo es noch keiner gesagt hat und denen zu sagen, denen es noch keiner gesagt hat.

In diesem nachdenklichen Sinne wünsche ich Ihnen eine gesegnete  Advents- und Weihnachtszeit-

Ihr Pfarrer Steffen Riechelmann

  Foto (oben): Michael Tillmann

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