Katholische Pfarrgemeinde  Dom zum Heiligen Kreuz

Nordhausen

Wort des Pfarrers


Liebe Gemeindeglieder, liebe Leserinnen und Leser dieser Seite,

Foto: Michael TillmannWerft die Netze nochmals aus links und rechts in und außerhalb der Kirche Werft sie nochmals aus Aber, Herr, unsere Netze sind zerrissen zerschlissen in 2.000 Jahren die müssen wir doch erst flicken Nehmt meine Netze und werft sie aus heute noch

ich gebe es offen zu: Ich bin ernüchtert.
Gründe dazu geben die Lage der Welt und der Kirche ausreichend her. Manchmal reicht aber schon der Blick in mein direktes Arbeitsumfeld. Im letzten Domboten [siehe auch hier: (Anm. d. Red.)] hatte ich Fragen zur Zukunft der Kirche aufgeworfen im Hinblick auf den synodalen Prozess der Weltkirche, den Papst Franziskus in Vorbereitung der Weltbischofssynode 2023 ausgerufen hat. Genau zwei Rückmeldungen habe ich erhalten, für die ich sehr dankbar bin. Aber eine Frage muss erlaubt sein. Ist allen anderen in unserer Gemeinde die Zukunft der Kirche egal?

Eine ähnliche Ernüchterung folgte auf das Projekt des Kirchortrates im vergangenen Herbst, mit Ihnen als Gemeinde in den Dialog über Fragen des kirchlichen Lebens vor Ort einzutreten. Auch hier gab es sehr gute Rückmeldungen, allerdings weniger als zehn! Was soll ich mit diesen Erfahrungen anfangen? Das Evangelium vom Fischfang (Lukas 5,1-7) berichtet von der Erfahrung der Vergeblichkeit der Jünger. Ich finde die Parallele zum heutigen kirchlichen Leben interessant.
Wir erleben eine Kirche als Dauerbaustelle. Den einen fehlen tiefgreifende Reformen, die anderen fürchten sich davor. Irgendwie haben alle recht. Das Titelbild dieser Dombotenausgabe [(siehe unten; Anm.d. Red.)] hat mich motiviert, das Thema „Kirche vor Ort“ trotz aller Ermüdungserscheinungen neu anzugehen. Wir entscheiden vor Ort darüber, welche Kirche wir sein wollen. Wollen wir eine Gemeinde sein, die sich selbst genügt? Oder eine lebendige Kirchengemeinde, in der vielleicht nicht alle einer Meinung, aber doch geeint sind im Willen, den auferstandenen Christus in unserer säkularen Welt glaubhaft mit Herz und Hand zu bekennen. Ja, manches scheint vergeblich. Die Jünger lassen sich von Jesus motivieren, nicht aufzugeben. Ich lade Sie dazu ein, zu prüfen, was Sie selbst einzubringen bereit sind.

Ihr Pfarrer Steffen Riechelmann


Portal der Schlosskirche in Wittenberg; Foto: Michael Tillmann




  Fotos: Michael Tillmann

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