Katholische Pfarrgemeinde  Dom zum Heiligen Kreuz
Nordhausen

 Aktuell - Nicht Not-wendig


Nicht Not-wendig, aber warum nicht?

Drei Bischöfe im Mittelteil des Altaraufsatzes in der Turmkapelle der evangelischen Kirche St. Petri und Pauli in Eisleben – der Kirche, in der Martin Luther 1483 getauft wurde. 

Foto: Michael Tillmann +

Der um 1520 gefertigte Schnitzaltar stand ursprünglich in der Eislebener Nicolaikirche, bevor er bei der Aufgabe der Kirche 1972 an seinen heutigen Standort gekommen ist. Der Altar ist Ausdruck der Frömmigkeit des 16. Jahrhunderts – welchen Stellenwert hat diese Form der Frömmigkeit heute noch?
Um sich dieser Frage annähern zu können, muss zunächst die Identität der drei Bischöfe geklärt werden. In der Mitte der heilige Niko-laus von Myra, ein Bischof des 4. Jahrhunderts – über ihn muss ich nicht viel erzählen: Seine Verehrung und das um ihn herum entstandene Brauchtum sind weithin bekannt. Links von ihm – zu erkennen an der Kerze in seiner linken Hand – der heilige Blasius, Bischof und Märty-rer zu Beginn des 4. Jahrhunderts. Auf ihn geht der noch heute an seinem Gedenktag (3. Februar) gespendete Blasiussegen gegen Halskrankheiten zurück. Die rechte Person ist Erasmus von Antiochia (zu erkennen an den um eine Winde aufgerollten Darm), auch er Bischof und Märtyrer des 3./4. Jahrhunderts.
So wenig historisch über die drei Bischöfe bekannt ist, so wirkmächtig sind sie über Jahrhunderte im Glauben gewesen. Blasius und Erasmus zählen zu den 14 Nothelfern der katholischen Kirche, die als Schutzpatrone im Gebet angerufen wurden/werden; in der evangelischen Kirche gelten sie – soweit bekannt – als Vorbilder im Glauben.
Die Nothelfer, Schutzpatrone und Heiligen waren in der Vergangenheit eine Antwort auf die Unsicherheiten des Lebens und auf die Erfahrungen von Leid. 

Wie gehen wir heute damit um? Eine große Erkenntnis der Reformation war es, dass der Mensch sich mit allem direkt an Gott wenden kann und keiner „heiligen Vermittlung“ mehr bedarf. Und dennoch: Ich glaube, dass es nur menschlich ist, dass sich der Mensch in Not und Angst „Unterstützung“ suchen möchte bei denen, die in ihrem Leben und Glauben Vorbild gewesen sind.

Michael Tillmann

Quelle: Bergmosr + Höller Verlag AG
Foto und Text: Michael Tillmann


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