Katholische Pfarrgemeinde  Dom zum Heiligen Kreuz

Nordhausen

In dieser Zeit

Die Krimskrams-Kiste

Erinnere ich mich an meinen gütigen und liebevollen  Groß-vater, dann fallen mir manche seiner Weisheiten ein, die er mit mehr oder weniger großem Erfolg des Bewahrens an mich weitergab. Beispielsweise sagte er oft beim Blick in eine Schachtel mit vielen Schrauben, Muttern, Nägeln und anderem Krimskrams: „Wirf es nicht weg, wer weiß, wann man es wieder gebrauchen kann.“

Hatte er aber mal das Passende gefunden, entspannte sich sein Gesicht urplötzlich und er rief laut: „Habe ich es dir nicht gesagt; irgendwann wird man es gebrauchen!“ Bei diesem Ausruf seiner Begeisterung drehte ich meinen Kopf leicht nach links und rechts, in der Annahme, es wären wegen der Laustärke noch mindestens zehn Personen mehr im Raum, die den Erfolg seiner Suchaktion mitfeiern müssten.

Mir fiel diese Begebenheit ein, als ich selbst auf der Suche nach Etwas war, mit dem ich die Sehnsucht nach Normalität, nach Selbstverständlichkeiten in diesen Tagen der Corona bedingten Einschränkungen beschreiben bzw. gelassener ertragen kann.

Denn es ist einfach nur bedrückend, (weltweit) zu sehen oder zu erleben, wie z. B. Messdiener, Lektoren, Pfarrer und Gläubige mit Mundschutz und gehörigem Abstand, weit verteilt in den Kirchenräumen den Gottesdienst feiern (müssen). Die Orgel intoniert ein Lied aus dem Gotteslob, manch einer summt leise die Melodie, ein anderer singt nicht, weil ihm einfach nicht nach Singen zumute ist.
Woher also die Zuversicht nehmen, woraus den Trost schöpfen, dass dies alles nur ein vorübergehen-der „Missstand“ ist und dass auch wieder sogenannte bessere Zeiten kommen?

In Krisen sehr von Nutzen, so meine Erfahrung, ist eine unverrückbare feste Größe, etwas zum Anfas-sen und Festhalten; sozusagen ein Fels in der Brandung.

Als solcher steht der Dom zum Heiligen Kreuz mit seiner imposanten Erscheinung für über tausend-jährige Standfestigkeit und Unerschütterlichkeit.
Schwere Kriege und Regierende verschiedenster Couleur hat er (nicht immer schadlos) überstanden und bestärkte über viele Jahrhunderte Besucher, Wallfahrer und die ansässige Gemeinde im Glauben und in der Gewissheit: Dieser Dom bringt uns durch die Zeit!

In Messfeiern und Andachten oder durch die Erinnerung an persönliche Höhe- bzw. Wendepunkte, die mit diesem Gotteshaus zusammenhängen (Taufen, Firmungen, Hochzeiten, Requien), schöpfen Gläubige bis heute hoffnungsvoll und unverzagt ihre Zuversicht für das Kommende.

Doch zurück:
In einer meiner „Krimskrams-Kisten“ (hier: Festplatte) fand ich kürzlich eine Audio-Datei. Sie wurde Anfang 2019 während eines Gottesdienstes im Dom zufällig aufgenommen. Verbunden mit einigen Bildern aus selbiger "Kiste" entstand spontan ein Video-Clip, der beim Betrachten die Hoffnung auf eine wiederkehrende, viel zitierte „Normalität“ stärken soll.
Eine Normalität, die man nur allzu oft als natürliche Selbstverständlichkeit hingenommen hatte.

F.-Ulrich Börner


An der Orgel: Kirchenmusiker Thomas Hofereiter,
Bilder: M. Schüler; F.-U. Börner

Foto: Peter Weidemann; pfarrbriefservice.de

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