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Gründerin Mathilde - Königin und Heilige  


Im Jahr 909 brachte der Sachsenherzog Heinrich - von Enger in Westfalen kommend - seine junge Braut Mathilde in seine Pfalz Wallhausen, wo kurz darauf die Hochzeit stattfand.


Mathilde entstammte ebenfalls einem säch-sischen Adelsgeschlecht und war, in Herford erzogen, bestens auf ihre künftige Rolle als Ehefrau und Mutter, als Herzogin und schließ-lich als Königin vorbereitet. In Wallhausen gebar Mathilde das erste ihrer fünf Kinder: Otto, der in der deutschen Geschichte eine bedeutende Rolle spielen sollte.

Inzwischen war die Pfalz Nordhausen, die von Heinrichs Vater angelegt worden war, fertig-gestellt, so dass die junge Familie einziehen konnte. Hier in Nordhausen wurden auch die nächsten beiden Kinder geboren: Gerberga und Heinrich, von dem es später heißen wird, er gleiche seinem Vater in Statur und Naturell auf’s Haar. Das machte ihn zu Mathildes Lieblingssohn.


War es deshalb, dass sie diesen Ort so liebte, dass sie rund 40 Jahre später eine für Nordhausen wichtige Entscheidung traf?


Mathildes Ehemann Heinrich, im Jahr 919 zum König gewählt, war viel unterwegs. Noch fehlte es dem wachsenden Reich an so etwas wie einer Hauptstadt, so dass der König zur Erledigung seiner Amtsgeschäfte, zur Abhaltung von Hoftagen usw. mit großem Gefolge von Pfalz zu Pfalz, von Königsburg zu Königsburg ziehen musste. Wenn es die häusliche Situation zuließ - denn inzwischen waren auch Hadwig und Brun geboren -, begleitete Mathilde ihren Mann. Oft nahm sie in prunkvollen Gewändern an seiner Seite Platz. Es wird auch berichtet, dass Mathilde in Heinrichs Abwesenheit selber ihre Dotationen inspizierte, aber nicht, ohne gleichzeitig an die Bedürfnisse und Nöte der Menschen zu denken. Immer sorgte sie für eine ausreichende Ausstattung der Kirchen und Kapellen, aber vor allem für die Pflege der Kranken, Einsamen und Alten. Auch wies sie die Stifte und Klöster an, stets in ihrem Sinn zu handeln.

Dieser offene Blick auf die Bedürfnisse ihrer Zeit, brachte Heinrich und Mathilde auf den Gedanken, in Quedlinburg ein Kanonissinnen-Stift zu gründen. Es sollte einem doppelten Zweck dienen: zum einen sollte es der Ausbildung bzw. der Versorgung unverheirateter Frauen dienen, zum anderen war es als Grablege des Königshauses gedacht.

Es scheint so, als habe Heinrich „sein Haus richten“ wollen. Die Zeiten waren unruhig, er musste seiner Frau Mathilde und seinen Nachkommen Sicherheit geben.

Am 13. Mai 927 stattete er Mathilde mit einem großzügigen Wittum aus und festigte diese Absicht 929 in der Quedlinburger Hausordnung, in der er auch seinen ältesten Sohn Otto zu seinem Nachfolger bestimmte.

Otto - nicht Heinrich? Für Mathilde eigentlich undenkbar. Der Herzogssohn vor dem Königssohn? Zunächst schwieg Mathilde.

 

Stiftskirche St. Servatius, Quedlinburg; Foto: Pfr. R. Hentrich


Am 2. Juni 936 stirbt König Heinrich in Memleben und wird in Quedlinburg begraben. Mathilde wird ihn 32 Jahre überleben. In diesen Jahren gründet sie Stifte und Klöster, stattet sie aus, beaufsichtigt und kontrolliert sie; sie sieht die Enkel heranwachsen… aber der Stachel saß tief. Unfriede war gesät. Die Söhne wandten sich gegen die Mutter; sie war ihnen zu freigebig, zu großzügig im Umgang mit ihrem Wittum. Das gehörte doch zur Hausmacht des Königtums und war ihr nur zur Nutzung auf Lebenszeit gegeben - solange sie Witwe blieb. Mathilde musste sich zeitweise nach Enger zurückziehen.

Immer wieder kehrt Mathilde nach Nordhausen zurück, der glücklichen Jahre in dieser Pfalz gedenkend. Doch durch Bevorzugungen und fehlendes diplomatisches Verhalten der Mutter entsteht zwischen Otto und Heinrich ein Bruderzwist, der bis zu Parteienbildung, Kriegshandlungen, ja, bis zu einem Giftmordanschlag gegen Otto reichte. Erst durch Vermittlung von Brun und Wilhelm, dem Erzbischof von Mainz, versöhnen sich die Brüder miteinander und mit ihrer Mutter.

Da stirbt Heinrich am 1. November 955. Mathilde trauert; sie trägt seit diesem Tag nur schwarze Gewänder, und in ihr wächst der Wunsch, für die liebsten Menschen und für deren Seelenheil eine Memoria zu gründen. Und welcher Ort wäre da besser geeignet als die Pfalz Nordhausen. Hier lässt sie 961 ein Kanonissinnen-Stift bauen, in das sie sich selbst zurückzieht und das sie nur noch wenige Male verlässt, z.B. in Köln 965 zum großen Familientreffen nach Ottos Krönung zum Kaiser. Diesem kaiserlichen Sohn wird sie ihre Stiftungen anvertrauen.

 

Grab der hl. Mathilde; Foto: Pfr. R. Hentrich

Was Mathilde zu diesem Zeitpunkt noch nicht weiß: Bevor sie selbst am 14. März 968 stirbt, muss sie auch noch Abschied nehmen von ihrem Sohn Bruno (+ 965) und nur wenige Tage vor ihrem Tod von ihrem Enkel Wilhelm, der sie noch einmal besuchte und auf dem Rückweg nach Mainz in Rottleberode starb.

Mathilde wurde in Quedlinburg an der Seite ihres Mannes beerdigt.


Carla Buhl



Aufenthaltsorte der Heiligen Mathilde (Mathildenpfad)      

 

 



 

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